Eschweiler Chronik

Mittelalter und Neuzeit

828
Der fränkische Geschichtsschreiber Einhard (* um 770; † 840) erwähnt in seinem Werk Translatio et Miracula Sanctorum Marcellini et Petri, einem Bericht über eine Reliquienüberführung von Rom nach Seligenstadt, in einer der seinerzeit solche Berichte üblicherweise ausschmückenden Wunder-Erzählungen Eschweiler als karolingisches Königsgut: »Ascvilare, fundus regius«.
851
Kaiser Lothar I. schenkt dem Münsterstift zu Aachen den neunten Anteil, eine nona, der Villa »Aschwilra«.
1145
Wilhelm von Eschweiler wird Schultheiß in Eschweiler.
1216
Gerhard von Randerath, der Vogt des Eschweiler Domhofs, verpfändet seine Vogtei über Eschweiler, Aldenhoven, Lohn und Inden der Kölner Domkirche.
um 1300
Eschweiler wird nach dem liber valoris – dem um 1300 entstandenen und ältesten bekannten Verzeichnis der Pfarreien im Erzstift Köln – als Pfarrei zum Dekanat Jülich gehörend genannt.
1389
Älteste bekannte Urkunde über den Eschweiler Bergbau. Die Eschweiler Kohlebergwerke sind im Besitz der Herzöge von Jülich.
1394
Herzog Wilhelm III. von Jülich überlässt seiner Mutter den »Koylberg zu Eschwilre« als Wittum.
1429
Die Eschweiler Burg ist im Besitz des Jülicher Erbmarschalls Frambach von Birgel.
1539
In den bekannten Quellen taucht erstmals der »Mühlenpfad«, an dem sich das Eschweiler Oberdorf entwickelt hat, auf, die »obere Nachbarschaft«. Aus dem Mühlenpfad wird die Mühlenstraße, seit 1972: Indestraße.
1541
Johann von Palant wird Amtmann von Eschweiler und Wilhelmstein.
1543

Reformatorische Kräfte, voran die Agenten des Landgrafen von Hessen, bewegen den Herzog von Jülich zur Führung des Geldrischen Erbfolgekriegs, um die Macht des Habsburgischen Kaisers Karl V. im Reich zu brechen. Kaiser Karl V. verheert daraufhin die Jülischen Lande und es kommt dabei zur Plünderung Eschweilers durch kaiserliche Truppen.

Nach diesem Ereignis wird ein Teil des Eschweiler Oberdorfs vom Volksmund em Spansch genannt, nach den dort einquartierten spanischen Truppen des Kaisers. Im Zuge der sog. Stadtsanierung wird das historische Oberdorf Eschweilers zwischen 1964 und 1972 vollständig abgerissen.

1555
Zum Bann des Gerichts in Eschweiler gehören neben dem Flecken Eschweiler selbst noch Bergrath, Röhe, Röthgen und Schaufenberg.
1572
Das Lehnsverhältnis der Eschweiler Burg erlischt. Der Rittersitz und der Domhof von Eschweiler unterstehen seither der Mannkammer zu Aldenhoven.
1638
Der Dreißigjährige Krieg (1618 - 1648) trifft nun auch mit Härte Eschweiler. Kaiserliches Kriegsvolk lässt den Bergwerksbetrieb auf dem Eschweiler Kohlberg zum Erliegen kommen.
1640
Am 4. April leiten Erdstöße eine Erdbebenwelle in den nächsten hundert Jahren ein; die Menschen werden in die Kirchen geführt, um für die Abwendung des Unheils zu beten.
1642
Eschweiler wird von verbündeten protestantisch hessischen, weimarischen und katholisch französischen Truppen eingenommen und geplündert. Die Verpachtung des Eschweiler Kohlbergs wird infolge der Kriegseinwirkung beendet.
1644
Hessische Truppen erobern die Eschweiler Burg, die von dem kaiserlichen Obristleutnant Hill verteidigt worden ist.
1650
Die Burg Röthgen kommt an die Familie von Bourscheidt.
1652
Die Kullen in Weisweiler werden geschlossen.
1666
Infolge der Kriegsschäden aus dem Dreißigjährigen Krieg übernimmt der Landesherr den Eschweiler Kohlberg in eigener Regie.
1673
Am 14. Juli ereignet sich ein Erdbeben, zu dem berichtet wird, dass aufrechtes Gehen nicht mehr möglich gewesen sei.
1678
Im Holländischen Krieg, einer der Reunionskriege, brandschatzen Truppen des französischen Königs Ludwig XIV. Eschweiler. Die Pfarrkirche St. Peter und Paul wird zerstört, die wertvolle Leder-Pieta wird jedoch gerettet.
1692
Ein Erdbeben mit vier starken Erdstößen wird registriert.
1755
An Allerheiligen werden Erdstöße wahrgenommen, vermutlich Auswirkungen des großen Erdbebens von Lissabon.
Am 26. Dezember ereignet sich ein stärkeres Erdbeben, dem in den nächsten 11 Monaten weitere folgen werden.
1756
Am 18. Februar erreicht die Erdbebenwelle ihren Höhepunkt. In Eschweiler kampieren die Menschen nahezu sechs Wochen lang auf freiem Feld in Strohhütten. Dann ebbt die Stärke der Folgebeben ab. Dennoch erlässt der Rat der Stadt Aachen im Juni 1756 mit Rücksicht auf die andauernde Erdbebengefahr ein Verbot aller Volksbelustigungen.
1760
Erstmals wird der Schacht »Schlemmerich« in Pumpe-Stich erwähnt. Er ist nach dem bis an die Erdoberfläche reichenden Flöz benannt, was so viel wie »weiche Kohle« heißt. Diese wird hier bis 1891 gefördert werden.
1784
Die kurfürstliche Regierung in Düsseldorf belehnt den Landwirt und Schultheiß von Kinzweiler, Johann Peter Wültgens, zur Entschädigung für einen ihm durch den Grafen von Hatzfeld entstandenen Pachtverlust an der Kinzweiler Burg mit der Ausbeute Eschweiler Steinkohlenflöze im »Hundend«, dem Distrikt im südlichen Inderevier. Schon 1785 erwirbt er weitere Steinkohlekonzessionen. In der Eschweiler Altstadt macht er den »Kirschenhof« zu seinem Wohn- und Geschäftssitz. Zu seinem Tod am 20. Oktober 1787 besitzt er über die Hälfte aller Anteile des Eschweiler Kohlbergs, also des gesamten Kohleabbaus im Eschweiler Raum. Diese Akkumulation wird von seinen Kindern Ferdinand, Katharina, Walburga und besonders Christine ausgebaut und wird 1834/38 im Eschweiler Bergwerks-Verein, der ersten deutschen Bergbau-Aktiengesellschaft, münden.
1786
Am 4. Dezember wird unweit der Bückem-Seif in Pumpe eine »Feuermaschine« zur Förderung der »Kollen und des Wassers« in Betrieb genommen. Es kommt zu einer Dampfkesselexplosion, die fünf Tote und zahlreiche Verletzte fordert.
Bearbeitung: Haro von Laufenberg

Die Eschweiler Pietà aus Leinen und Kalbsleder, entstanden um 1360, ist das älteste der drei Vesperbilder dieser Art in Deutschland. 125 Zentimeter hoch und 70 Kilogramm schwer wurde sie bei Bittprozessionen durch Eschweiler getragen. Heute steht sie in der Eschweiler Hauptpfarrkirche St. Peter und Paul in einer Nische der Krieger-Gedächtniskapelle, die an der Stelle des alten Mutter-Gottes-Altars errichtet worden ist.

Burgruine Nothberg, ehemals Sitz der Herren von Palant, im April 2014 (Foto: Haro von Laufenberg, Lizenz)

Burg Röthgen im Dezember 2013 (Foto: Haro von Laufenberg, Lizenz)

Eschweiler zwischen 1656 und 1666 (idealisiert), älteste bekannte Darstellung Eschweilers (Original im Archiv des Eschweiler Bergwerks-Vereins (EBV))

Sonnenuhr von 1658 an der Eschweiler Peter-und-Paul-Kirche

Eschweiler in einer Ansicht von 1791

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