Eschweiler Chronik

Politische Moderne bis Juli 1914

1794

Französische Revolutionstruppen besetzen das linke Rheinufer und errichten eine Munizipalverwaltung zwischen Rhein und Maas.
Der ehemals kurpfälzische Militär-Hauptmann Carl Englerth aus Jülich wird zum Beigeordneten des Kantons Eschweiler berufen. Englerth ist seit 1786 mit Christine Wültgens, die Erbin des Johann Peter Wültgens, verheiratet und ist dadurch Bergwerksbetreiber in Eschweiler geworden.

In Pumpe wird die erste Dampfmaschine in Betrieb genommen: zur Entwässerung des Bergwerks.
1797
Carl Englerth und die Erben des Johann Peter Wültgens erwerben die Konzession auf den gesamten Eschweiler Kohlberg, d. i. das Steinkohlevorkommen im nordöstlichen Inderevier, nachdem 1787 Johann Peter Wültgens bereits die Hälfte eingenommen hatte. 1798 stellen sie einen Antrag auf volle Selbstverwaltung auf 100 Jahre.
1800
Der Flecken Eschweiler wird Mairie (frz. »Bürgermeisterei« = unterer Verwaltungsbezirk) und Kantonstadt des Roer-Departements im Arrondissement Aachen. Der Kanton Eschweiler zählt 18.904 Einwohner. Am 18. Oktober setzen die Franzosen Carl Englerth zum Maire (Bürgermeister) ein und erteilen ihm und Ferdinand Wültgens im Dezember eine vorläufige Betriebserlaubnis für die Bergwerke, die im September 1802 verlängert wird. Carl Englerth bleibt Bürgermeister bis zu seinem Tod am 25. August 1814. Seine Bemühungen um Bergbau-Konzessionen im Inderevier werden von seiner Witwe Christine Wültgens fortgesetzt.
1801
Das Roer-Departement und mit ihm Eschweiler werden dem französischen Kaiserreich einverleibt.
1805
Im November erteilt Kaiser Napoléon per Dekret der Familie Englerth/Wültgens die endgültige Betriebserlaubnis für Bergwerke im ganzen Kohlberg für 50 Jahre nach französischem Recht, insbesondere mit der Grube »Centrum«, dem mit Abstand ergiebigsten Steinkohle-Bergwerk im Eschweiler Kohlberg und das in Deutschland bedeutendste seiner Zeit in Privatbesitz. Die Urkunden werden im Dezember ausgefertigt.
1808
Errichtung des Friedensgerichts an der Dürener Straße/Kolpingstraße. Zum Gerichtsbezirk gehören Eschweiler selbst und die heutigen Ortsteile Dürwiß, Nothberg und Weisweiler sowie außerhalb des heutigen Eschweilers Bardenberg, Broich, Büsbach, Gressenich, Hoengen, Lamersdorf, Langerwehe und Stolberg mit seinerzeit insgesamt 24.514 Einwohnern. Ab 1868 verhandelt das Gericht alternierend in Eschweiler und Stolberg.
1815
Restauration: Der Wiener Kongress zieht die Grenzen Europas aus dem napoleonischen Erbe neu und schlägt die ripuarischen Rheinlande – und damit auch Eschweiler – als Rheinprovinz dem Königreich Preußen zu, dessen Königshaus bereits aus spätmittelalterlicher Heiratspolitik mit dem Geldrischen und Jülicher Land verbunden ist.
1818/19
Die Maschinenfabrik Englerth, Reuleaux & Dobbs wird in Pumpe gegründet. Sie gilt als eines der ältesten deutschen Werke für die Herstellung von Dampfmaschinen, Getriebeteilen, Gebläsemaschinen, Dampfhämmern, Transmissionen, Pumpenwerke und Fördermaschinen, begnügte sich zunächst jedoch mit dem Vertrieb englischer Erzeugnisse. Einer der Gründer, Karl Englerth aus der Bergwerks-Betreiber-Familie Englerth/Wültgens, ist gleichzeitig Mitbegründer einer Eisengießerei mit angeschlossenem Walzwerk. 1847 wird die Firma von Johann Heinrich Graeser, dem Direktor der Englerth'schen Gruben in Pumpe, übernommen und 1872 von der Firma Englerth & Cünzer, die das wenige 100 Meter entfernte Eisenguß-, Puddel- und Walzwerk betreibt. Schließlich als ESW-Röhrenwerke GmbH ist es heute der einzige größere Betrieb der Eisen- und Stahlindustrie in dem einstmals von Schwerindustrie geprägten Indetal zwischen Eschweiler und Stolberg.
1822

Am 24. Januar wird Friedrich Englerth, Bergwerksbetreiber, Sohn des vormaligen Bürgermeisters Carl Englerth und der Bergwerks-Erbin Christine Wültgens, Bürgermeister. Der Bau des Rathauses an der Dürener Straße beginnt.

Friedrich Thyssen, Friedrich Englerth, Ludwig Beissel und Jacob Springsfeld gründen in Aachen die Draht-Fabrik-Compagnie, die in Eschweiler zwischen August-Thyssen-Straße (bis 1965: Industriestraße), Langwahn, Steinstraße und Mühlenstraße (heute: Indestraße) Deutschlands erste Walzdrahtfabrik betreibt. Maschinenpark und Montagen besorgen Englerth, Reuleaux & Dobbs aus Pumpe-Stich, die über ihre dortige Firma englische Maschinen vertreiben. Hergestellt wird Walzdraht aus in der Eifel geschmiedetem Luppeneisen.
1823
Der Ortsteil Mühle wird nach Stolberg ausgemeindet.
1827
Eschweiler wird Dekanat mit 14 Pfarreien im Erzbistum Köln.
1833
Als Eschweiler Reservegrube erwirbt Christine Englerth die Konzession auf die Steinkohlenlager in Eschweiler, Nothberg, Weisweiler, Frenz, Lamersdorf, Lucherberg und Inden.
Am 2. November besucht König Friedrich Wilhelm III. von Preußen die Industriegebiete.
1834
Gründung des Eschweiler Bergwerks-Verein (EBV), die erste deutsche Bergbau-Aktiengesellschaft. Der EBV soll dazu dienen, den Englerth'schen Bergwerksbesitz im Erbfall zusammen zu halten. Der Einflussbereich umfasst den Eschweiler Kohlberg, d. h. den gesamten Kohleabbau in Eschweiler und Stolberg und damit einen weiten Teil des Aachener Reviers, in welchem nun die Schwerindustrialisierung einsetzt und das zur ersten Industrieregion Deutschlands wird. Eschweiler, mit dem Beinamen »Wiege des rheinischen Bergbaus«, wird von nun an von Industriealisierung und Arbeiterkultur geprägt sein. Unternehmen wie Thyssen und Phönix haben ihre Wurzeln in Eschweiler. Später führen Standortnachteile, insbesondere weil die Kohlereviere ins benachbarte Ausland Belgien und Frankreich hineinreichen, zur Abwanderung ins Ruhrgebiet. Die westlichen Kohlereviere gelten seitdem immer wieder als deutsche Kriegsziele.
1838
Mit dem Tod von Christine Englerth geb. Wültgens gehen die Englerth'schen Bergwerke in die Bergbau-Aktiengesellschaft Eschweiler Bergwerks-Verein (EBV) über. Friedrich Englerth, 1822 bis 1831 Bürgermeister von Eschweiler, wird Präsident des Verwaltungsrates.
1839
Nach der Neuordnung der Englerth'schen Bergwerke im Eschweiler Bergwerks-Verein, besucht König Friedrich Wilhelm III. von Preußen am 10. Juni erneut die Industriegebiete in Eschweiler und in Pumpe-Stich. Nach ihm wird der im Stadtwald liegende Schacht »Friedrich Wilhelm«, der bis 1873 in Betrieb sein wird, benannt. Auch die Friedrichstraße wird 1902 nach ihm benannt, wo dann auch mit dem Bau der Pfarrkirche St. Barbara begonnen wird.
1841
Eröffnung der Rheinischen Eisenbahn auf der Strecke Köln – Eschweiler – Aachen am 1. September und als eingleisige Strecke. Sie dient der Prosperierung und weiteren Erschließung der Schwerindustrie.
1845
Friedrich Englerth lässt einen Neubau des Wohnhauses der Eschweiler Burg nach romantisierenden Vorstellungen gestalten. Als Baumeister engagiert er Friedrich Heinrich Exner. Der ästhetisch zeitlos unglückliche Bau wird im Volksmund Kaffeemöll Kaffeemühle genannt. 1967 wird er dem Neubau des St. Antonius-Hospitals weichen.
1847

Der Eschweiler Bergwerks-Verein (EBV) gerät in eine Finanzkrise und kooperiert seitdem mit der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim.

Der »Heinrichsschacht« bei Weisweiler wird durch den EBV abgetäuft und wenig später erfolgt dort die Kohleförderung.

1848
Im Revolutionsjahr erscheinen in Eschweiler drei Zeitungen. Nur das sich »auf dem Boden des Gesetzes« liberal-demokratisch gebende Eschweiler Volksblatt von J. Kaldenbach ist fortschrittlicher.
1850
Auf die revolutionären Umtriebe von 1848/49 folgt die Restauration. Bürgermeister (seit 1845) Franz Quadflieg verhängt am 22. Januar ein Vermummungsverbot auf Eschweiler Boden: Wer sich an Karneval maskiert auf der Straße zeigt, wird mit einer Geldstrafe belegt.
1852
In Eschweiler findet ein Rosenmontagszug statt.
1855

Die Belegschaft in der Grube Centrum erreicht mit 1.348 Mann ihren höchsten Stand.

Um Weihnachten soll Förster Lersch am Ichenberg den letzten wilden Wolf in Eschweiler erlegt haben. Nach anderer Darstellung erfolgte die letzte Wolfsjagd bereits in den 1840er Jahren in einem Winter und am Donnerberg, und Schütze soll hier Förster Wandelt gewesen sein. Erst im Jahr 2005 wird in Eschweiler wieder ein Wolf gesichtet.
1856
In Nothberg wird der Schacht »Wilhelm« (Schacht I) abgetäuft. Ab 1862 wird dort Reserve mit zwei Schächten als eigenständige Grube des Eschweiler Bergwerks-Vereins geführt und wird schließlich auch die letzte Grube des Eschweiler Bergbaus und im Inderevier sein. 1864 erhält die Grube ein eigenes Anschlussgleis an die Rheinische Eisenbahn von Köln nach Aachen.
1857
Die Grube Centrum erreicht mit 297.762 Tonnen den höchsten Stand der jährlichen Fördermenge,
1858

Am 26. April werden der Gemeinde Eschweiler durch Allerhöchste Kabinettsorder König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen die Stadtrechte nach der rheinischen Städteordnung vom 15. Mai 1856 verliehen. Die Städteordnung enthält scheindemokratische Elemente: Der Bürgermeister ist die »Obrigkeit«. Er und die besoldeten Beigeordneten werden von der Stadtverordnetenversammlung auf 12 Jahre oder auf Lebenszeit gewählt. Die Wahl der Stadtverordneten bestimmt sich nach Wirtschaftskraft. Frauen sind vom aktiven und passiven Wahlrecht ausgeschlossen. Bürgermeister (1851 - 1859) ist Augustin Piedmont.

Die Ortschaften Hehlrath, Kinzweiler und St. Jöris werden ausgemeindet und bilden bis zur erneuten Eingliederung 1972 die Gemeinde Kinzweiler. Indes wird die Gemeinde Kinzweiler noch bis 1901 von der Stadt Eschweiler verwaltet.
1859
Die im Zuge der Industrialisierung auf dem Reißbrett geplante Stadterweiterung südlich der Inde setzt ein und wird zunächst 1870 abgeschlossen sein. Die Neustraße ist die erste in dieser Neustadt erbaute Straße.
1865
Die Draht-Fabrik-Compagnie firmiert um in Eschweiler Drahtfabrik Compagnie und verlegt den Sitz nach Eschweiler, wo die Fabrik seit 1822 produziert.
1869
Nachdem in der Restauration alle Arbeitervereine verboten worden sind, kommt es unter Wilhelm I. von Preußen (König seit 1861) und bereits unter seiner Regentschaft (1858) zu Liberalisierungen (u.a. 1858 Entlassung des Oberpräsidenten der Rheinprovinz, Hans Hugo von Kleist-Retzow). Unter den sich nun neugründenden Arbeitervereinen ist der 1863 in Sachsen und maßgeblich unter Beteiligung von Ferdinand Lassalle gegründete »Allgemeine deutsche Arbeiterverein« (ADAV) der bedeutendste und die erste sozialistische Massenpartei. Arbeiter aus Eschweiler und Bergrath treten dem ADAV bei und gründen 1869 einen Ortsverein, der im Oktober bereits zum sechstgrößten der neuen sozialdemokratischen Ortsvereine angewachsen ist. Zugleich tritt die 1868 im Umfeld des ADAV gegründete »Allgemeine Genossenschaft der Berg-, Hütten- und Salinenarbeiter« in der Region Aachen in Erscheinung.
1873
Eröffnung der Bergisch-Märkischen Bahnlinie Aachen - Eschweiler - Jülich - Mönchengladbach.
1879
Das Eschweiler Friedensgericht wird am 1. Oktober in ein Amtsgericht umgewandelt. 1881 zieht das Amtsgericht in das neue Gebäude an der Marienstraße/Rosenallee ein.
1880
Durch Allerhöchste Kabinettsorder ist die Stadt Eschweiler per 31. Dezember zur Führung eines Wappens berechtigt.
1888
Die Seilbahn von der Grube Reserve über die Hundsgracht zwischen Röthgen und Bergrath zum Eschweiler Stadtwald wird fertiggestellt. Ab 1932 beginnt über die Seilbahn die Aufschüttung des Abraums aus der Zeche Reserve zum »Schwarzen Berg«, der heute noch rund 50 Meter hohen (250 Meter ü. N.N.) Halde als Wahrzeichen des Bergbaus in Eschweiler.
1891
Der Bergbau in Pumpe-Stich wird eingestellt, die Grube Centrum indes weiter zur Kohlewäsche benutzt.
1894
Auf dem Gelände der Grube Reserve wird eine Kokerei gebaut, es folgen bald eine Benzolfabrik und eine Teerdestillation.
1895
Zusätzlich zur Haldeseilbahn zum »Schwarzen Berg« werden weitere Seilbahnen durch das Stadtgebiet zum Kohle- und Kokstransport gebaut, unter anderem nach Pumpe-Stich zur Kohlewäsche.
1897
Eschweiler bekommt eine elektrische Straßenbahn: Die »Tram« soll die Arbeiter pünktlich und geordnet zu den Industrieplätzen bringen. Die erste Linie fährt von Nothberg nach Halmich.
1900
Eschweiler hat 21.668 Einwohner.
1902
Infolge der Schwerindustrialisierung gründet Ludwig Carbyn, zunächst langjährig Beigeordneter der Stadt Eschweiler, am 3. April, drei Wochen nach seiner Bestellung zum Bürgermeister (1902 - † 1910) eine gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft. Diese errichtet indes erst von 1927 bis 1930 an der Ludwigstraße/Nothberger Straße 119 Wohnungen. Eschweiler Arbeiterfamilien leben derweil in ziegenstallähnlichen Verschlägen im Stadtgebiet und damit unter dem Vergleichsniveau andernorts in Deutschland. Der Wohnungsbau ist freilich keine sozialpolitische Maßnahme: Die Errichtung werksnaher Arbeitersiedlungen liegt im Interesse der Industrie, hält Facharbeiter und ist »das wohlverstandene eigene Interesse der Arbeitgeber, indem dieselben Alles vermeiden müssen, was den leicht erregbaren Argwohn der Arbeiter wachrufen könnte«.
1906

Die Inde führt Hochwasser und überschwemmt die Innenstadt und weitere Stadtteile. Große Teile der Drahtfabrik fallen ein.

Aus der 1899 aufgeteilten Firma Englerth & Cünzer ist das Werk in Pumpe der neugegründeten Eschweiler Maschinenbau Aktiengesellschaft übertragen worden, die sich nun mit der Firma Koch & Wellenstein aus Ratingen zur Eschweiler-Ratinger Maschinenbauaktiengesellschaft (ERMAG) zusammenschließt, die ab 1917 als Herstellerin nahtloser Stahlröhren bekannt werden wird und deren letzte Nachfolgerin, die ESW-Röhrenwerke GmbH, heute den schließlich letzten größeren Betrieb der schweren Eisen- und Stahlindustrie im Indetal betreibt.

Der Eschweiler Bergwerks-Verein (EBV) fusioniert mit der Vereinigungsgesellschaft für Steinkohlenbau im Wurmrevier. Die neue Gesellschaft firmiert unter EBV und ist eine der größten Zechengesellschaften Europas. Im Jahr 1907 wird es ca. 2,0 Mio t Kohle fördern und in seinen Kokereien rund 500.000 t Koks erzeugen. Die Belegschaft steigt auf über 10.000 Mann an. Bis zum ersten Weltkrieg wird die jährliche Förderung auf rund 3,0 Mio t Kohle und 950.000 t Koks gesteigert werden.
1907

Bürgermeister Carbyn bemüht sich, dass von Köln Militär nach Eschweiler verlegt wird. Eine Garnison belebt die Konsumwirtschaft, sorgt in einer Industriestadt aber auch für den Arbeitsfrieden und dies ganz im Sinne der Industriellen, der Fabrik- und Bergherren: Streiks gelten in einer Gesellschaft, in der alles seinen festen Platz hat, als ungebührlich.

Das Amtsgericht bezieht das neue Gebäude in der Kaiserstraße, wo es heute noch ansässig ist. Das Gebäude trägt heute noch an der Fassade in Stein die Redewendung »Jedem das Seine«, die Verteilungsgerechtigkeit bedeutet. 1914 erscheint der Spruch auf den Koppelschlössern der deutschen Soldaten, die das neutrale Belgien überfallen und den 1. Weltkrieg auslösen, 1937 über dem Haupttor des KZ Buchenwald.
1909

Eschweiler bekommt eine »Volksbibliothek und öffentliche Lesehalle« mit rund 800 Bänden. Die heutige Stadtbücherei führt rund 40.000 Bände und ist elektronisch vernetzt.

In Weisweiler wird die Brikettfabrik errichtet.
1910
Der industrielle Braunkohletagebau erreicht den Norden von Eschweiler und wird von nun an das Gesicht der Stadt und ihres Umlandes entscheidend prägen. Braunkohle wird aber bereits im Untertagebau, etwa die Felder bei Pützlohn, gefördert.
1912
Nach den Bemühungen von Bürgermeister Carbyn, fortgesetzt von Bürgermeister Hettlage und mit Unterstützung durch den Eschweiler Beigeordneten und Reichstagsabgeordneten Josef Nacken (katholische Zentrumspartei) erhält Eschweiler die seit 1907, mit dem Anstieg der Industrie- und Bergarbeiter in der Bevölkerung, verlangte Militär-Garnison zur Sicherung des Arbeitsfriedens und zur Belebung der Konsumwirtschaft. Die Stadtverwaltung nimmt eine Anleihe von 1,25 Millionen Mark auf, um eine Kaserne im Stadtgebiet zu errichten.
1913

Am 7. Februar wird in Köln aus dem Zusammenschluss mehrerer Kapitalgesellschaften (»Gewerkschaften« im bergrechtlichen Sinne) die Braunkohle-Industrie Aktiengesellschaft (BIAG) »Zukunft« gegründet. Die BIAG betreibt den Tagebau »Zukunft« bei Dürwiß.

Der Eschweiler Bergwerks-Verein (EBV) verlegt seine Hauptverwaltung von Eschweiler-Pumpe nach Kohlscheid (seit 1972: Herzogenrath), da sich die Kohleförderung vom Inde- ins Wurmrevier verlagert hat. Die Büroräume im »Bergamt« genannten Hauptverwaltungsgebäude in Pumpe werden von der 1911 gegründeten Hüttenabteilung des EBV übernommen. Mit dem 1911 durch Fusionen entstandenen luxemburgischen Stahlkonzern ARBED wird ein Interessenvertrag geschlossen, mit dem die Koksversorgung für die Stahlproduktion und die Abnahme der Koksproduktion sichergestellt werden. 1926 wird die ARBED die beherrschende Hauptaktionärin des EBVs sein.
1914

Nach zweijähriger Bauzeit ziehen unter großer Anteilnahme der Bevölkerung feierlich begrüßt am 1. Juli vier Kompanien des 2. Bataillons des preußischen Infanterie-Regiments 161 (10. Rheinisches) mit 772 Mann in die fertiggestellte Infanterie-Kaserne in der heutigen Preyerstraße/Gartenstraße (bis 1955 Kasernenstraße, zeitweise Hindenburgstraße, ursprünglich Lohner Straße) ein, »vom schönen Trier in die Kohlenstadt Eschweiler«.

Am 1. Juli nimmt auch das Kraftwerk »Zukunft« in der damals noch selbständigen Gemeinde Weisweiler den Probebetrieb mit einer Leistung von 12 MW auf. Verstromt wird Braunkohle aus dem Tagebau »Zukunft« bei Dürwiß. Kraftwerksbetreiber ist die Kraftwerk AG Köln.
Bearbeitung: Haro von Laufenberg

Altes Rathaus der Stadt Eschweiler von 1823 (Foto: Haro von Laufenberg, 2015)

Christine Englerth geb. Wültgens (* 14. August 1767 in Rath bei Düsseldorf; † 4. Mai 1838 in Eschweiler)

Zur Entwässerung der Steinkohle-Gruben diente die Pumpenanlage der Herrenkunst. Drei große Wasserräder bewegten ein Pumpensystem, um das Wasser aus den Stollen zu schaffen.

Die von Friedrich Englerth um 1845 erneuerte Eschweiler Burg, die »Kaffeemöll«, von der Dechant-Deckers-Straße aus um 1960, 1967 für den Neubau des St. Antonius-Hospitals bis auf den Bastionsturm im Bild abgetragen (Foto: Eberhard Becker)

Stadterhebung Eschweilers: Aus der preußischen Gesetzessammlung von 1858, Stück 23, Nr. 4882

Die 1955 abgebrochene Drahtfabrik 1875 an der Steinstraße, teils Gelände des heutigen Bushof. Neben dem dicken Schlot das Geburtshaus des späteren Stahlmagnaten August Thyssen. Ihm zu Ehren wurde die an der Drahtfabrik liegende Industriestraße 1965 in August-Thyssen-Straße umbenannt. Thyssen indes und die Fabrikherren seiner und späterer Generationen haben es vorgezogen außerhalb ihrer Anlagen im »Grünen« zu leben.

Eschweiler Panorama um 1890, im Vordergrund: Brauerei Peltzer, im Hintergrund rechts: die von Friedrich Englerth zur »Kaffeemöll« erneuerte Eschweiler Burg

Kumpels der Grube »Reserve«, 1897

Eschweiler Kinderheim St. Josephs Haus in der Hehlrather Straße 6, 1897

Eschweiler Schlachthof, vermutlich 1897

»Platzbeckers Morast« an der Kaiserstraße, 1897 (Foto: Jungschläger)

Bürgerliche »Grubenfahrt« am 21. September 1899, von links nach rechts 2. Agnes Schütz geb. Franzen, 3. Jacob Schütz, 4. Maria Franzen, 5. Karl Franzen, 6. Carl Franzen, 7. Dr. med. Abels, 8. Cecilie Abels geb. Franzen, 9. Josef Franzen

Aachener-Kleinbahn, Wagen 129 mit zwei Kippwagen am Talbahnhof. Original-Aufnahme zwischen 1898 und 1902.

Straßenbahnpunkt Eschweiler Dreieck, etwa zwischen 1905 und 1910. Bildmitte: Eingang zum »Warteraum«, links: Triebwagen 124 mit Güterwagen der Linie M Eschweiler - Hamich, rechts: Triebwagen 115 der Linie P Eschweiler - Alsdorf mit Personenbeförderung.
(Foto Q.: Rainer Bimmermann)

Inde-Hochwasser 1906 in der Wollenweberstraße, zeitgenössische Postkarte

Braunkohle-Untertagebau, Schacht Pützlohn, 1907

Eschweiler Tagebau »Zukunft« bei Dürwiß, 1912: Arbeiter vor Löffelbaggern

Kumpels der Erzgrube Diepenlinchen, 1912

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