Eschweiler Chronik

Zeitgeschichte 1946 bis 1999

1946

Die Belgier errichten das Camp Eschweiler im Stadtwald für die Logistik des 1. Belgischen Armeekorps. Später wird es in Camp Zeebrugge umbenannt. Zwischen Eschweiler und Hehlrath im Tagebau »Zukunft« wird der Kohleabbau wieder aufgenommen. Die Eschweiler beginnen mit dem Wiederaufbau der Stadt. Die Straßenbahn-Linie 22 von Pumpe nach Velau wird wieder in Betrieb genommen.

Administrativ gehört Eschweiler zum neu gebildeten Land Nordrhein-Westfalen in der Britischen Besatzungszone. Am 7. April beruft die Militärverwaltung den Stadtrat von Eschweiler, wobei die konfessionsübergreifend auftretende CDU die ehemalige Bedeutung der Zentrumspartei einimmt: CDU 14 Sitze, SPD 9 Sitze, KPD 6 Sitze, Parteilose 2 Sitze. Am 15. September wird der erste Stadtrat seit der Nazi-Zeit gewählt: CDU 49,4 %; SPD 36,4 %; KPD 14,2 %. Nach britischer Maßgabe gibt es von nun an bis 1997 die »Doppelspitze« im Rathaus: Der beamtete Stadtdirektor ist Chef der Verwaltung, der ehrenamtliche Bürgermeister aus den Reihen der ehrenamtlichen Ratsmitglieder ist Vorsitzender des Rates, der die Verwaltung kontrollieren soll, und Repräsentant der Gemeinde. Der Rat wählt Peter Herzog (CDU) zum Bürgermeister.
1947

Die ersten belgischen Soldaten rücken in das Camp Eschweiler ein.

Am 1. Juli werden die Arbeiten am Kraftwerk Weisweiler wieder aufgenommen.
1948

Mit dem Camp Astrid, offiziell Quartier Reine Astrid, errichten die Belgier im Probsteier Wald ihre zweite Kaserne in Eschweiler. Die Deutschen führen mit der Währungsreform am 20. April die D-Mark (Deutsche Mark) ein.

Am 1. Februar wird Bernhard Sperlich, späterer Vorsitzender des Eschweiler Geschichtsvereins, Stadtdirektor (bis 30. Nov. 1970). Bei der Kommunalwahl am 17. Oktober wird die SPD in Eschweiler stärkste Partei. Sie erhält 43,7 % der abgegebenen gültigen Wählerstimmen. Es folgen CDU (37,4 %), KPD (10,3 %) und Zentrumspartei (8,6 %), die nach dem Zweiten Weltkrieg und mit Gründung der CDU ihre Wähler und Bedeutung überwiegend an die CDU verloren hat. Der Rat wählt Matthias Bücken (SPD) zum ehrenamtlichen Bürgermeister.
1949
Gründung der Bundesrepublik Deutschland.
1950

Der ehemalige NSDAP-Ortsgruppenleiter und Bürgermeister in Weisweiler, Heinrich Löltgen, wird wegen seiner Rolle im Weisweiler Juden-Progrom 1938 zu 1½ Jahren Gefängnis verurteilt.

Die »Tram« Linie 18 von Eschweiler über Gressenich nach Vicht wird wiedereröffnet. Bereits 1951 wird der Betreiber, die ASEAG, beginnen, das Straßenbahnnetz durch Buslinien zu ersetzen.
9. Nov. 1952
Aus der Kommunalwahl gehen SPD und CDU gestärkt mit 46 % bzw. 40,6 % hervor. KPD und Zentrumspartei mit 5,8 % bzw. 5,4 % sind die Verlierer der Wahl. Der Rat wählt Wilhelm Gruhn (SPD) zum Bürgermeister.
1953
Die Drahtfabrik, die seit 1822 in Eschweiler produziert hat, stellt den Betrieb in Eschweiler ein und verlegt nach Köln-Mühlheim.
1955

Die neue Bundesrepublik erhält eine Teilsouveränität und der deutsche Uranverein aus Industrie, Verwaltung und Forschung nimmt nun auch offiziell die Arbeit am Atomprogamm der Bundesregierung auf und knüpft an die Forschung und die Erprobung von Uranmaschinen und Kernwaffen aus der Nazizeit an. Die Regierung Adenauer denkt laut über eine Bewaffnung Deutschlands mit Atombomben nach. Aus der belgischen Besatzungsmacht in Eschweiler wird nun per decretum eine Schutzmacht und am 5. Mai 1955 wird die Bundeswehr gegründet. In der Bevölkerung formt sich die Widerstandsbewegung »Gegen den Atomtod« und Widerstand gegen die Wiederbewaffnung mit der Bundeswehr.

Im Braunkohlenkraftwerk Weisweiler werden die heute nicht mehr betriebenen Blöcke A, B, und C mit zusammen 305 MW Nettoleistung in Betrieb genommen.
1956

Nachdem die Stadt das Gelände der Drahtfabrik für rund 400.000 DM gekauft hat, beginnen die Abbrucharbeiten der Fabrikhallen.

Die Stadt räumt den geschändeten jüdischen Friedhof an der Talstraße ab, um dem Gusswerk Jussen eine Erweiterung zu ermöglichen, und missachtet die Bedeutung jüdischer Friedhöfe als Orte der dauerhaften Bestattung.

Die KPD, die ihre Zielrichtungen an den »verfassungsgemäßen Rechten und Freiheiten« ausgerichtet hat, wird erneut nach 1933 verboten. Am 17. August ergeht das Verbotsurteil gegen die Partei auf Antrag der Regierung Adenauer aus dem Jahr 1951. In Eschweiler und Kinzweiler kommt es zu Hausdurchsuchungen durch den Verfassungsschutz im Zuge der Durchsetzung des Parteiverbots.

Bei der Kommunalwahl am 28. Oktober verbessert die SPD somit ihr Stimmenergebnis auf 50,4 %. Die CDU erreicht 40,3 %. Die Zentrumspartei spielt keine Rolle mehr, es zieht nun aber die Freie Demokratische Partei (FDP) mit 7,1 % und 2 Sitzen in den Stadtrat ein. Teile der FDP der Adenauerära stehen politisch rechts von der CSU und sprechen national orientiert Klientel des Dritten Reichs an. Nazis und Kriegsverbrecher suchen hier Zuflucht und Schutz. Der Rat wählt erneut Wilhelm Gruhn (SPD) zum Bürgermeister.

Am 20. Dezember rücken deutsche Soldaten in das belgische Camp Zeebrugge im Stadtwald am Donnerberg ein.
1957
Der Eschweiler Bergwerks-Verein EBV errichtet auf dem Gelände der stillgelegten Concordiahütte ein Elektrostahlwerk.
1958
Die Bundeswehr übernimmt von den Belgiern das Camp Zeebrugge als Lager Donnerberg. Stationiert ist die Heeres-Artillerie-Schule. Es wird eine Buslinie eigens für Rekruten eingerichtet. Eschweiler ist wieder deutsche Garnisonsstadt und bleibt es bis heute.
1960
Der Bau der Indestraße beginnt: Die historisch gewachsene Altstadt an der Inde und die historische Neustadt sollen dem Autoverkehr unterworfen werden. Es beginnt die sogenannte Stadtsanierung, in deren Verlauf rund 220 Häuser der Altstadt, das historische Oberdorf an der Mühlenstraße, diese selbst, Knickertsberg, Bach- und Judenstraße der Abrissbirne komplett zum Opfer fallen und die Inde in ein neues Betonbett verlegt wird. Eschweiler verliert seinen historischen Grundriss, der Bezug der Stadt zur Inde geht verloren und es entstehen im Hinblick auf die verbliebene Restbebauung unverhältnismäßige, sich nicht einfügende Großstrukturen.
Eine über die Talstraße mit ganz erheblich weniger Substanzverlust verlaufende alternative Trasse zu der durch die Altstadt geschlagenen und damit zu deren Untergang führenden Schneise wird nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Partikularinteressen heraus verworfen.
1961

Die Rheinische Lederfabrik stellt die Produktion ein

In der Innenstadt wird mit dem Bau der Inderegulierung begonnen.

Bei der Kommunalwahl am 19. März fällt die SPD auf 42,1 % zurück, die CDU wird mit 51,4 % stärkste Kraft im Eschweiler Stadtrat und wird diese Position erst 1972 mit den ersten Wahlen nach der kommunalen Neugliederung wieder an die SPD abgeben, woran sich bis 2014 nichts ändern wird. Die FDP wird mit 6.6 % letzmalig bis zur Wahl 1999 (2,84 %) in den Stadtrat gewählt. Der Rat wählt Wilhelm Gourissen (CDU) zum Bürgermeister.

1964

Am Donnerberg wird die Raketenschule der Bundeswehr gegründet.

Am 19. März eröffnet der Bushof, der auf dem östlichen Gelände der 1953 nach Köln verlegten Drahtfabrik errichtet worden ist.

Bei den Wahlen am 27. September zum Stadtrat in Eschweiler kommt die CDU auf 47,9 % und erhält 19 Sitze, die SPD erreicht 47,3 % und erhält 18 Sitze. Die FDP wird nicht wieder in den Rat gewählt.
1965

Am 10. Januar führt die Inde Hochwasser.

In Weisweiler wird Block E mit 312 MW Nettoleistung in Betrieb genommen. 1967 wird Block F mit 304 MW und 1974, 1975 werden die Blöcke G und H mit je 634 MW Nettoleistung folgen. Diese letzten vier der ursprünglich acht Blöcke sind heute (2017) weiterhin in Betrieb.
1966

Im April werden die Straßenbauarbeiten im ersten Bauabschnitt zur Indestraße im Zuge der sogenannten Stadtsanierung werden aufgenommen. Die neue Indestraße wird Mühlenstraße, Knickertsberg, Judenstraße, Bachstraße und Schützenstraße ersetzen. Die Bauarbeiten werden am 29. September 1980 beendet sein.

Am 10. Dezember führt die Inde nach anhaltend starken Regenfällen und einem Regelfehler an der Dreilägerbachtalsperre Hochwasser und erreicht einen Pegel von 2,43 m. Gegen 18 Uhr wird Katastrophenalarm gegeben und das Technische Hilfswerk Eschweiler rückt erstmals zu einem Katastropheneinsatz aus. Es verhindert ein Absaufen der Altstadt und sichert die Brücken über die Inde. Am 11. Dezember mittags wird der Alarm aufgehoben.

1969

Als Konsequenz einer seit 1945 fehlgeleiteten Verkehrspolitik werden am 6. Oktober mit den Linien 22 Erlendorf – Eschweiler und 28 Alsdorf – Eschweiler die letzten Überlandlinien der Straßenbahn im Landkreis Aachen stillgelegt und die »Tram« in Eschweiler existiert nicht mehr. In der Zukunft wird sich dies als weitere Fehlentscheidung in der Verkehrspolitik erweisen, da das die Straßenbahn ersetzen sollende Netz der Buslinien dem wachsenden Autoverkehr nicht gewachsen sein wird.

Die Kommunalwahl am 9. November bestätigt die bisherigen Verhältnisse im Eschweiler Stadtrat: CDU 49,7 % und 21 Sitze, SPD 47,1 % und 20 Sitze. Wilhelm Gourissen (CDU) wird vom Stadtrat zum ehrenamtlichen Bürgermeister wiedergewählt.
1970
Paul Büchel, seit 1966 Erster Beigeordneter der Stadt Eschweiler, wird vom Rat als Nachfolger von Bernhard Sperlich und damit zum zweiten Stadtdirektor (1970 - 1978) von Eschweiler bestimmt. 1978 wird er auf Vorschlag der CDU Bürgermeister in Neu-Isenburg (1978 - 1990).
1971
RWE muss den Standort Weisweiler neben dem Braunkohlekraftwerk für den in Bensberg von Interatom entwickelten Brüter SNR 300 mit Plutoniumkreislauf aufgeben. Der Bundesregierung erscheint nach geheimer Beratung dieser Standort für ein Kernkraftwerk nun doch eher ungeeignet. Denn wegen kalkulierter Störfälle wird aufgrund der Bevölkerungsdichte im Aachener Raum mit etwa 15.000 Einwohnern/qKM mit einem schwerer zu vermittelnden Risiko gerechnet. RWE soll daher auf das mit rund 5.000 Einwohner/qKM dünner besiedelte Kalkar am Niederrhein umplanen.
1972

Am 1. Januar wird die kommunale Neugliederung im Aachener Raum durchgesetzt. Das Amt Dürwiß mit den Orten Dürwiß, Fronhoven, Lohn, Neu-Lohn, Pützlohn, Langendorf, Erberich und Gut Hausen, die Gemeinde Kinzweiler mit den Orten Kinzweiler, Hehlrath und St. Jöris und die Gemeinde Weisweiler mit Hücheln werden nach Eschweiler eingemeindet. Die Stadt hat jetzt 55.497 Einwohner.

Bei den Stadtratswahlen am 23. April im nunmehr erweiterten Gemeindegebiet erzielt die SPD 49,8 %, die CDU 46,2 %. Der Rat wählt Friedrich Koch (SPD) zum Bürgermeister.

Die Judenstraße wird im Zuge der sogenannten Stadtsanierung für den Autoverkehr abgerissen.
1973
Am 22. Juni richtet die noch auf Veranlassung der Nazis fusionierte Eschweiler Sportgemeinschaft (ESG) im Eschweiler Waldstadion ihr Leichtathletik-Sportfest aus. Im Nachhinein wird dies als das beste deutsche Sportfest zwischen 1970 und 2002 bewertet. Erst 1970 war dem Leichtathletik-Sportfest der ESG bundesweit Beachtung und Anerkennung zuteil geworden. Doch schon am 4. Juli 1975 wird die international hochkarätig belegte Veranstaltung letztmalig stattfinden.
1974

Neugründung des Eschweiler Geschichtsvereins e.V. am 29. April.

Am 16. November wird die erste Fußgängerzone Eschweilers und damit die erste im Kreis Aachen eröffnet.

Die Raketenschule der Bundeswehr wird nach Geilenkirchen verlegt.
1975

Überreichung der Partnerschaftsurkunde an die französische Stadt Wattrelos am 15. März.

Am 25. März wird in Weisweiler das RWE-Braunkohlekraftwerk II (Blöcke A - D) stillgelegt und Kraftwerk I (Blöcke E - G) mit Block H ausgebaut. Das Kraftwerk verfügt von nun an über eine Nettoleistung von rund 1.884 MW, verbrennt jährlich zwischen 20 und 25 Millionen Tonnen Braunkohle und stößt dabei etliche Millionen Tonnen Schadstoffe aus, davon alleine jährlich rund 20 Millionen Tonnen CO2.

Als Ergebnis der Stadtratswahl am 4. Mai kann die SPD ihre Mehrheit von 23 Sitzen gegenüber 22 für die CDU auf 28 Sitze im Stadtrat ausbauen. Die SPD erhält 53,4 % der Stimmen, die CDU kommt auf 42,7 %. Andere Parteien sind im Rat weiterhin nicht vertreten.
1977

Die Inde wird im Bereich des heutigen Rathauses verlegt, die Bachstraße geht unter.

Am 1. Oktober wird das St.-Antonius-Hospital Akademisches Lehrkrankenhaus der RWTH Aachen.
1978

Das Bundeswehrlager Donnerberg wird am 2. Juni in »Donnerberg-Kaserne« umbenannt. Stationiert ist seit 1972 die Schule Technische Truppe I.

Der »Lange Heinrich«, der 168 Meter hohe Schornstein am Kraftwerk in Weisweiler, welcher seit 1937 das Wahrzeichen der Gemeinde Weisweiler gewesen ist und dann auch das Stadtbild Eschweilers geprägt hat, wird am 28. Juni gesprengt.

Im September wird mit einer Festwoche die 1150-Jahrfeier von Eschweiler begangen.

Am 15. November wird Claus-Dieter Härchen (SPD) als dritter Stadtdirektor von Eschweiler (1978 - 1997) auf eine zunächst 12jährige Amtszeit vereidigt und 1990 erneut bestellt.
1979

Bezug des neuen Rathauses der Stadt Eschweiler am 2. August.

Bei der Kommunalwahl am 30. September verbessert die SPD ihr Stimmergebnis gegenüber 1975 auf 55 % und nimmt der CDU einen weiteren Sitz im Stadtrat ab.

Am 5. Dezember erfolgt der Abschluss der Inderegulierung in der Innenstadt. Die Fertigstellung des Ausbaues der Inde nach 18 Jahren hat rund 9 Millionen DM gekostet.
30. Sept. 1980
Offizielle Verkehrsübergabe der Indestraße (B 264; vormals: Mühlenstraße, Knickertsberg, Judenstraße, Bachstraße und Nordseite Uferstraße) durch den NRW-Verkehrsminister Prof. Joachimsen (SPD). Die reinen Baukosten betrugen rund 10 Millionen DM.
1983

Im April Stadtfest anlässlich des 125-jährigen Stadtjubiläums.

Am 22. Mai wird der Personenverkehr auf der Bahnstrecke Jülich-Eschweiler-Stolberg eingestellt.
1984

Der Eschweiler Bergwerks-Verein (EBV) überträgt seine Hüttenbetriebe der Maxhütte, eine Tochtergesellschaft der Klöckner-Werke AG, übernimmt gleichzeitig 15% der Anteile an der Maxhütte und sicherte sich damit einen Abnehmer für den EBV-Hochofenkoks aus Alsdorf.

Bei den Stadtratswahlen am 30. September hält die SPD mit geringfügigen Abweichungen ihr Stimmergebnis der vorangegangenen Wahlen und erzielt 54,3 %. Die CDU verliert an Stimmen und erreicht 37,8 %. Mit 5,6 % der abgegebenen gültigen Wählerstimmen werden erstmals Die Grünen in den Rat gewählt und nehmen dort drei Sitze ein. Die Grünen sind 1980 als Partei aus der »Sonstigen politischen Vereinigung (SPV) Die Grünen« entstanden; bundesweit ein Zusammenschluss aus Aktivisten der Ökologie- und Anti-AKW-Bewegung, der Friedensbewegung und von Bürgerrechtlern und mit ursprünglich anarchosyndikalistischen Tendenzen (Basisdemokratie). Ab 1993, nach der für sie verlorenen Bundestagswahl und dem darauf folgenden Zusammenschluss mit der Bürgerrechtsbewegung Bündnis 90 aus der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR), werden sie als Bündnis90/Die Grünen auftreten. Der Rat wählt Erich Berschkeit (SPD) zum ehrenamtlichen Bürgermeister.
4. Mai 1985
Begründung der Städtepartnerschaft mit der englischen Stadt Reigate & Banstead.
1986

Die 1944 zerstörte Haube des Turms zu St. Peter und Paul wird erneuert.

Am 16. Juli wählt der Rat Günter Wagner (SPD) zum Bürgermeister, nachdem Erich Berschkeit (SPD) dieses Amt niedergelegt hat.
1987

Nach der amtlichen Volkszählung vom 25. Mai hat Eschweiler 53.058 Einwohner.

Infolge der Insolvenz der Maxhütte gründen der Werksleiter des Röhrenwerks, Lenzen, Dr. Woldt, Gutachter beim Land, ein Spediteur des Röhrenwerkes und der Bürgermeister der Stadt Eschweiler und vormaliger Betriebvorsitzender in den EBV-Hüttenbetrieben, Günter Wagner, die ESW Röhrenwerk GmbH und übernehmen mittels Landesbürgschaft die Röhrenproduktion in Eschweiler. Im Jahre 2001 werden hier noch 317 Mitarbeiter 72.000 Tonnen Rohre herstellen. Das Röhrenwerk ist damit der letzte große Betrieb der Eisen- und Stahlindustrie in dem von der Schwerindustrie nachhaltig geprägten Raum Eschweiler-Stolberg.

Am 3. September wird die Braunkohleförderung auf Eschweiler Gebiet mit Verkippung des Tagebaus »Zukunft-West« beendet. Die Gesamtförderung auf Eschweiler Stadtgebiet hat 530 Millionen Tonnen betragen und diverse Dörfer im Eschweiler Norden untergehen lassen. Vom Masseverlust zeugt ein Restloch, das zu einem Freizeit-See kultiviert werden soll. Die Beendigung der Kohleförderungsindustrie auf Stadtgebiet trifft die Stadt nachhaltig, im Hinblick auf Steuereinnahmen und mehr noch durch die seitdem bei durchschnittlich nicht unter 12 % liegende Arbeitslosigkeit in der Bevölkerung. Ein zur Schwerindustrie alternatives und taugliches Entwicklungskonzept liegt nicht vor. Ausgekohlt werden nun die Nachbargemeinde Inden und der autochthone Hambacher Forst.
1989
Bei der Kommunalwahl am 1. Oktober verliert die SPD leicht an Stimmen und erzielt 51,7 %. Da die CDU mit 33,9 % aber auch an Stimmen verliert, kann die SPD ihr erneut einen Sitz im Rat abnehmen und hält dort nun 29 Sitze gegenüber 19 für die CDU. Die Grünen erzielen 6,6 % der Stimmen und behalten ihre drei Sitze im Rat. Günter Wagner (SPD) wird zum ehrenamtlichen Bürgermeister wiedergewählt.
1990
Claus-Dieter Härchen (SPD) wird erneut auf 12 Jahre zum Stadtdirektor von Eschweiler bestellt.
Am 3. Oktober treten die Länder der DDR (Deutschen Demokratischen Republik) der BRD bei.
1994

Eschweiler wird Sitz des neu gegründeten Zentralrats der Muslime.

Am 5. Oktober beginnt die Füllung des »Blausteinsees«, des Restlochs im Tagebau »Zukunft-West« beim Ortsteil Dürwiß. Der See wird sich als »undicht« erweisen. Pro Sekunde werden 217 Liter Sümpfungswasser aus dem Tagebau Inden stetig nachgepumpt werden. Im Jahre 2030 wird sich die Stadt indes nach einer anderen Wasserquelle umsehen müssen. Denn dann wird der Tagebau Inden geflutet sein und erst voraussichtlich im Jahr 2061, also bald 70 Jahre nach seiner Anlage, soll der »Blausteinsee« das Wasser halten können.

Als Ergebnis der Stadtratswahl am 16. Oktober erleidet die SPD schwere Verluste an Stimmen. Sie erzielt 41,1 % und verliert sieben Sitze im Rat. Die CDU verbessert sich auf 36,9 % und hält ihre 19 Sitze. Neu in den Rat zieht die Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG) ein. Sie kann 13,4 % der Stimmen auf sich vereinigen und erhält sieben Sitze im Rat. Bündnis90/Die Grünen erzielen 6,8 % und drei Sitze. Am 9. November wählt der Rat Manfred Esser (CDU) zum ehrenamtlichen Bürgermeister.

Am 13. November wird das Kulturzentrum im Talbahnhof eingeweiht und erreicht in wenigen Jahren überregionale Bedeutung.
1995

In Weisweiler beginnt der Bau der Müllverbrennungsanlage.

Am 31. Dezember ziehen die belgischen Truppen aus Camp Astrid im Propsteier Wald ab.
1997

Im März tritt Claus-Dieter Härchen (SPD) mit 59 Lebensjahren in den Ruhestand. Da durch die revidierte Gemeindeordnung für das Land Nordrhein-Westfalen die bisherige »Doppelspitze« aus Stadtdirektor als Verwaltungshauptbeamter und eherenamtlichem Bürgermeister abgeschafft ist, wird der bisherige ehrenamtliche Bürgermeister Manfred Esser (CDU) mehrheitlich vom Rat zum ersten hauptamtlichen Bürgermeister der Stadt Eschweiler seit Gründung des Landes Nordrhein-Westfalen bestimmt und vereinigt nun repräsentative Aufgaben als Vertreter der Gemeinde und den Chef der Stadtverwaltung in einer Person.

Im August nimmt die Müllverbrennungsanlage (MVA) in Weisweiler den Betrieb auf. Knapp sechs Jahre später, am 17. Februar 2003 wird dort erstmals auch Müll aus dem Kreis Düren verbrannt werden. Heute nimmt die MVA pro Jahr rund 360.000 Tonnen Müll an.
1999

Am 24. April begeht der Eschweiler Geschichtsverein sein 25-jähriges Jubiläum.

Zur Stadtratswahl am 12. September entfällt die 5-%-Sperrklausel. Dadurch gelingt der FDP mit 2,84 % der Stimmen der Wiedereinzug in den Rat seit der Kommunalwahl 1964. Die CDU kann ihr letztes Wahlergebnis deutlich verbessern, erhält 41,14 % und zwei Sitze hinzu. Die SPD hält ihre 22 Sitze mit 44,60 %. Verlierer sind die UWG mit 5,84 % und nur noch drei gegenüber sieben Sitzen nach der letzten Wahl und Bündnis90/Die Grünen mit 4,13 % und dem Verlust von einem von drei Sitzen.
Mit Abschaffung der kommunalverfassungsrechtlichen »Doppelspitze« aus hauptamtlichem Stadtdirektor und ehrenamtlichem Bürgermeister 1997 dürfen die Eschweiler gleichzeitig mit der Stadtratswahl auch den Bürgermeister, der nun Verwaltungshauptbeamter ist, wählen. Bei dieser historisch ersten Direktwahl zum Bürgermeister der Stadt Eschweiler wird Rudi Bertram (SPD), Fachbereichsleiter in der Stadtverwaltung Eschweiler und Sohn des SPD-Ratsmitglieds Wilhelm Bertram, mit 51,5 % der gültigen Stimmen gewählt.
Bearbeitung: Haro von Laufenberg

Tapetenhaus Breuer auf der Ecke Englerthstraße/Grabenstraße, 1946 (Foto: Lothar Weber)

Holzsteg an der Grabenstraße, 1946 (Foto: Lothar Weber)

Mühlenstraße (heute: Indestraße) um 1950, links Drahtfabrik (heute: Bushof)

Auf der Funkengasse um 1950

Triebwagen 2909 der Straßenbahn Linie 18 in Nothberg vor der Bahnunterführung an der Knippmühle, 1951

Bagger 1030 der Rheinbraun, Antransport und Montage auf der Autobahn, 1952

Die »Scholle« in Röhe unterm Stromnetz und zwischen Autobahn und Tagebau-Industrie, 1955

Hehlrath 1959, im Hintergrund die im Tagebau »Zukunft-West« abgetragene Velau (Foto Q.: Nikolaus Müller)

Hehlrath, Insel im Tagebau »Zukunft-West«, 1959. Im Vordergrund: Straßenbahn Linie 28 von Eschweiler über Hehlrath/Kinzweiler nach Alsdorf. (Foto: Frits v. d. Greyt)

Tagebau »Zukunft«, Absetzer 747 zum Verkippen an der Tagebaugrube in Weisweiler a1959. Im Hintergrund links: Hehlrath, rechts: Warden (noch ohne Durchstoß des Tagebaus »Zukunft-West«) und Halde des Steinkohlenbergbaus in Alsdorf.

Dürener Straße von Nord auf Höhe des Kaiserhofs, um 1960 (Foto: Harro Schulz)

Linie 28 am Bushof, 1960er-Jahre

Bushof 1964

Eschweiler Verwaltungsgebäude der Braunkohlen Industrie AG (BIAG) »Zukunft« in der Peter-Paul-Straße

Bau der Indestraße, am Bushof 1966

Letzte Fahrt der »Tram« am 6. Oktober 1969, Linie 28

Grabenstraße, 1971 (Foto: Krapohl-Verlag)

Abbruch der Judenstraße, 1972 (Foto: Peter Vroliks)

Gutenbergstraße, 1973 (Foto: Krapohl-Verlag)

Im Eschweiler Tagebau, 1975 (Foto: Leo Braun)

Die Inde ab 1980 in neuem Flussbett (Foto: Klaus Seimetz)

Kohlekraftwerk und Müllverbrennung (links im Bild) zählen zu den Weisweiler Sehenswürdigkeiten: Das Kraftwerk verbrennt jährlich zwischen 20 und 25 Millionen Tonnen Braunkohle mit einem Wirkungsgrad von etwa 30 % und stößt dabei 19,8 Millionen Tonnen CO-2, einige Millionen Tonnen sonstige Schadstoffe und rund 402.000 Tonnen Feinstaub aus (t/a im Schnitt 2007 - 2013, PRTR). Die Umweltagentur der EU schätzt die vom Kraftwerk ausgehenden Schadenskosten als die neunthöchsten aller europäischen Industrieanlagen. 2014 wird es als Infektionsquelle mit einer Legionellose-Epidemie in Verbindung gebracht. In der Müllverbrennungsanlage können jährlich 360.000 Tonnen Müll, d.i. der von rund 850.000 Personen produzierte Wohlstands-Müll, verbrannt werden.

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