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Eschweiler Gusswerk Albert Jussen, 1927-1986 in der Talstraße

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Die Firma Eschweiler Gusswerk hat ihren Ursprung in der 1917 in Stolberg angemieteten Eisengießerei Josef Dechesne, deren Inhaber im Mietverhältnis Albert Jussen war. Mit dem Kauf der in Eschweiler, Talstraße, in Konkurs gegangenen Gießerei Gebrüder Schotten zum 1. Juli 1927 erfolgte deren Übernahme und die Umgründung in ESCHWEILER GUSSWERK Albert Jussen mit ca. 20 Arbeitnehmern.

Der erste Firmeneigentümer war Albert Jussen († 1935), nach dessen Tod der älteste Sohn Albert für die Witwe Therese Jussen († 1943) die Geschäfte weiter führte. Ab 1943 übernahmen die Söhne Albert und Dr. Wilhelm Jussen die Firma.

Als 1944 die alliierte Kriegsfront sich Eschweiler näherte, wurde der Betrieb nach Neviges in die Gießerei Spieß & Söhne ausgelagert. Es kam aber nicht mehr zur Produktionsaufnahme. Die Meister Franz Rüth (1902-1992) und Albert Wegmann, Großvater von Albert Wegmann (1939-2006, SPD-Politiker), trugen die Hauptverantwortung beim Abtransport des Maschinenparks. Hierbei wurde Wegmann von einer Granate getroffen, an deren Verletzungen er nach wenigen Tagen verstarb. Nach Kriegsende wurden bereits im August 1945 mit 18 Eisenbahnwaggons die Belegschaft und die Produktionsmittel wieder nach Eschweiler zurücküberführt, wonach mit einer 60-köpfigen Belegschaft die Produktion aufgenommen werden konnte.

Im Jahre 1968 wurde durch Erbfolge Herbert Jussen alleiniger Firmeninhaber und firmierte 1976 neu unter ESCHWEILER GUSSWEK Albert Jussen GmbH & Co. KG, Eschweiler.

Verschleißfester, feuer- und hitzebeständiger Guss, hand- und maschinengeformt in Einzel- und Serienfertigung und Bearbeitungswerkstätten für Drehen, Hobeln und Fräsen und eine Modellwerkstätte für Holz- und Metallmodelle gehörten Ende der 1950er-Jahre zum Firmenprogramm. In der Maschinenformerei wurden in der Hauptsache Serienfertigungen für die Automobilindustrie produziert. Im Oktober 1983 wurde eine moderne Schieß-Press-Anlage angeschafft. Die Firmenkapazität lag bei einer Gussproduktion von ca. 7.000 to pro Jahr. Der Belegschaftsstand lag zu dieser Zeit bei 30 Angestellten und 160 gewerblichen Mitarbeitern.

Da der neu angeschaffte Elektroofen nicht die erwartete Leistung brachte, meldete aus dieser Problemstellung heraus das Werk im Dezember 1986 Konkurs an.

Text: Armin Gille